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  • Florian Grünwald

Gestört durch die Straße? Durch eine gute Wohnungssuche kannst du das vermeiden

Der Straßenverkehr ist seit langem die größte Lärmquelle in Deutschland. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung fühlt sich durch Straßenverkehrslärm gestört. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage mit etwa 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum „Umweltbewusstsein in Deutschland 2018“ hervor. Besonders ältere Menschen oder Hochsensible leiden oft stark unter Lärm.

Wie aber Adressen mit besonders viel Verkehrslärm vermeiden? Nicht jeder findet eine Wohnung am Ende einer Einbahnstraße. Daher hilft es, Verkehrslärm besser zu verstehen. Im Folgenden werde ich die Faktoren erklären, die Verkehrslärm beeinflussen und zeigen, wie du diese während der Wohnungssuche erkennen kannst.


  1. Die Anzahl der Verkehrsteilnehmer auf deiner Straße. Wahrscheinlich keine Überraschung. Je mehr Verkehr, desto höher die Lärmbelastung. Zwei Dinge sind hier wichtig: die Kategorie der Straße und die Anzahl der Spuren. Als erstes solltest du dir die Art der Straße ansehen. Am besten ist es, an einer Anliegerstraße zu wohnen, idealerweise sogar einer Sackgasse. Eine Durchgangsstraße ist meistens schon um Einiges lauter. Falls die Wohnung doch an einer solchen Straße liegt, solltest du vor allem darauf achten, nicht an einer Kreis- oder sogar Landstraße zu wohnen, die beide dem überregionalen Verkehr dienen und oft stark befahren sind. Als zweites schau dir die Anzahl der Spuren an: je weniger, desto besser. Das alles siehst du über Google Maps und kann dir vielleicht eine unnötige Besichtigung schon ersparen.

  2. Die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge. Hier gilt natürlich, je langsamer, desto besser. Die städtebauliche Lärmfibel sagt: Bei einer Verringerung der Geschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h wird eine Minderung des Mittelungspegels von ca. 2,5 dB(A) erreicht (das ist fast halb so laut). Bei einer Geschwindigkeitssenkung von 80 km/h auf 60 km/h beträgt die Lärmminderung ca. 2 dB(A), von 130 km/h auf 100 km/h ist sie je nach Lkw-Anteil zwischen 1 und 3 dB(A). Um Geschwindigkeiten einzuschätzen hilft ein erster Google Maps check weiter, aber am besten schaust du dir die Lage nochmal vor Ort an.

  3. Die Art des Verkehrs. Welche Fahrzeugklasse an deiner Wohnung vorbeifährt, ist wichtig. Schwere Fahrzeuge verursachen nicht nur höhere Schallpegel sondern auch mehr niederfrequenten Schall, der besonders schwer von Wänden oder Fenstern aufzuhalten ist. Ein schwerer Sattelzug (bei besonders langsamem Tempo) verursacht beispielsweise so viel Lärm wie etwa 40 Pkw. Selbst kleinere Nutzfahrzeuge sind für ein vielfaches an Lärmimmissionen im Vergleich zum Pkw verantwortlich. Was heißt das für dich? Schau dir genau an, ob die Straße z.B. ein Zubringer zu einem Industriegebiet ist oder eine wichtige Zufahrtsstraße zur Stadt darstellt. In diesem Fall kannst du mit einem höheren Aufkommen von größeren und schwereren Fahrzeugen rechnen. Schau dir am Besten auch an, ob eine Buslinie vor deinem Haus vorbeiführt. All diese Dinge kannst du mit etwas Zeit auch hier über Google Maps herausbekommen und vor Ort nochmal überprüfen. Hier am besten auch die Nachbarn fragen.

  4. Der Fahrbahnbelag. Am problematischsten sind hier gepflasterte Straßen (Pflaster mit ebener Oberfläche sind etwas besser). Beton oder geriffelter Asphalt führen auch zu mehr Lärm als normaler Asphalt und besonders lärmarme Asphaltarten (“Flüsterasphalt”) sind am Leisesten (letzterer ist allerdings schwer zu erkennen). Der Zustand der Fahrbahn ist genauso relevant. Je mehr Löcher und Unebenheiten, desto mehr Geräusche verursacht der darüber fahrende Verkehr. Das schaust du dir am besten vor Ort an.

  5. Der Verkehrsfluss. Am besten ist hier kontinuierlicher Verkehr ohne Geschwindigkeitsveränderungen. Wie eine Lärmanalyse erklärt: Brems- und Anfahrvorgänge – vor allem wenn mit hoher Drehzahl gefahren wird – werden als besonders unangenehm empfunden, da sie eine sprunghafte Pegelveränderung bewirken. Extrem fällt dies an Ampelanlagen auf, weil zu Beginn einer Grünphase der Pegel schlagartig um bis zu 20 dB(A) steigt. Google Maps sollte helfen, dies zu erkennen, genauso wie eine kurze Nachfrage bei den Nachbarn, ob häufig Stop-And-Go Verkehr auftritt.

  6. Die Steigung. Die Steigung einer Straße hat Auswirkungen auf die Drehzahl und die Motorbelastung. Während Gefällstrecken praktisch keine Veränderungen des Geräuschpegels mit sich bringen, bewirken Steigungen typischerweise eine Erhöhung des Antriebsgeräusches um 0.8 dB(A) pro Steigungsprozent; dies gilt sowohl für PKWs, als auch für LKWs. Auf einer Strecke mit 7 % Steigung beträgt der Lärmpegel somit fast das Vierfache desjenigen auf einer ebenen Strecke (Lärmorama). Dies checkst du am Besten vor Ort.

  7. Besonders laute Verkehrsteilnehmer. Bestimmte Fahrzeuge setzen ganz bewusst Lärm ein, um auf sich aufmerksam zu machen. Das sind z.B. Krankenwagen, Feuerwehrautos und Polizeistation. Laut Studie setzt die Polizei heute beispielsweise Sirenen mit einer Lautstärke von 120 dB(A) ein, um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer zu wecken. Im Jahr 1912 reichten noch 88 dB(A). Das heißt für dich, dass du vermeiden solltest, beispielsweise an einem Zubringer zu einem Krankenhaus zu wohnen. Um dies herauszufinden, am besten Anlieger befragen.

  8. Die Zeit des Verkehrs. Je nach Art der Lage kann es zu unterschiedlichen Zeiten zu Verkehrsspitzen kommen. In Wohngebieten fahren morgens und abends die Pendler, touristisch attraktive Orte sehen an freien Tagen besonderen Zustrom und Vergnügungsviertel eher abends. Je nach persönlichem Lebensstil könnte es wichtig sein, bestimmte Orte daher zu vermeiden. Nachbarn sollten dir Genaueres sagen können.

  9. Autobahnen oder Bundesstraßen in der Nähe. Die wenigsten von uns werden direkt an solch einer Straße wohnen. Nichtsdestotrotz, Schnellstraßen verursachen hohe Lärmbelastungen, die auch nachts anhalten und größere Entfernungen überbrücken. Daher solltest du auch sicherstellen, dass du ausreichend weit von solchen Straßen wohnst. Ein Check über Google Maps und ein Hörtest vor Ort geben dir Klarheit.


Wie du siehst hat das Thema Straßenlärm viele Dimensionen. Diese zu ignorieren kann dir leicht den Schlaf rauben. Glücklicherweise kannst du einiges schon über Google Maps checken und weitere Faktoren dann über einen Besuch ausschließen. Nachdem du wahrscheinlich nur begrenzte Zeit in der Gegend bist, hilft es auch, die Nachbarn zu den Straßenlärmquellen zu fragen.


Habe ich etwas vergessen? Hast du noch Tipps zum Thema? Melde dich gerne in den Kommentaren.

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